Windige Rotaugen
Temperaturen um den Gefrierpunkt, Hochwasser und schneidender Wind. Die Zitterspitze macht ihrem Namen alle Ehre und wird heftig von links nach rechts gedrückt. Selbst nachdem ich die 0,5oz Spitze gegen eine 1,5oz Spitze austausche und die Rute so flach wie möglich ablege, bleibt alles beim Alten. Denn die gesamte Rute scheint sich vor dem Wind zu verbeugen. Die beiden ausgelutschten Pinkies am 18er Häkchen bezeugen es aber: Meine Silberschätze sind am Platz. Aber was ich auch versuche, bis auf einige wenige Zufallsfänge bin ich nicht in der Lage, die Bisse gezielt zu parieren.
Ich fische so gut wie immer mit einer gezwirbelten Schlaufenmontage. Sie hat den Vorteil, dass der Fisch bei der Köderaufnahme nicht das Gewicht des Korbes spürt. Der Biss wird jedoch direkt auf die Spitze übertragen. Ideal für scheue Fische und die gibt es bei mir zu Hauf, erst recht im Winter.
Zunächst kürze ich das Vorfach in 10 Zentimeter Schritten, von anfangs 60 auf lächerliche 20 Zentimeter. Jetzt sehe ich zwar die Bisse deutlicher, doch die Fangausbeute bleibt nach wie vor bescheiden. Ich gehe dazu über mich auf mein Gefühl zu verlassen. Mit dem Zeigefinger auf dem Rutenblank und der Schnur am kleinen Finger gelingt es mir tatsächllich, die teils extrem zaghaften Bisse zu registrieren. Aber bei diesen Temperaturen ist selbst das nicht unbedingt optimaler. Die Ausbeute ist zwar ein wenig besser, doch meine Hand verfärbt sich nach und nach zu einem unansehnlichen rot-blauen Etwas. Das ist keine dauerhafte Lösung.
Ich entscheide mich für einen radikalen Einschnitt in meine Angeltaktik. Regeln und Gesetze sind ja bekannterweise dazu da, um gebrochen zu werden. Wenn ich große Rotaugen mit zwei künstlichen Maiskörnern überlisten kann, warum dann nicht auch die kleineren Artgenossen mit kleineren Ködern? Es widerspricht zwar all dem, was ich über das Pickern und Feedern gelernt habe, aber warum denn nicht!
Schnell ist die Montage ausgetauscht und fliegt punktgenau an den vorgefütterten Spot. Anstatt eines Futterkorbes verwende ich ein 20 Gramm schweres Tellerblei. Es hat zwei entscheidende Vorteile. Zum einen kann ich die Schnur ein wenig straffer spannen um die Rutenspitze zu stabilisieren. Zum anderen ist die Übertragung des Gewichtes auf die Hakenspitze direkter als bei einem Futterkorb. An das 8 Zentimeter lange 0,10er Vorfach knüpfe ich einen 18er Gamakatsu LS-1810B. Diese Hakenform hat einen weiten Bogen, ich verspreche mir davon einen besseren Hakeffekt.
Das leidige Problem bei so dünnen Vorfächern ist, dass sie sich andauernd mit der Hauptschnur verheddern. Ein Anti-Tangle Röhrchen kommt augrund der teils sehr scharfen Kanten nicht in Frage. Anstatt dessen verwende ich eine Laufperle (Ledger Bead) sowie eine kleine Gummiperle. Als Connctor für das Vorfach benutze ich die Korum Quick Change Beads. Um die Montage fest zu setzen kommt ein zylindrischer Stopper der Größe S zum Einsatz. Diese Stopper haben den Vorteil, selbst auf dünnsten Schnüren noch sicher zu halten. Trotzdem muss die Schnur eingeclippt sein, damit sich das Vorfach auch ordentlich strecken kann.
Das Ergebnis hat mich doch ein wenig überrascht, denn es funktioniert erstaunlich gut. Der Köder war keine 15 Sekunden im Wasser, schon rumpelt mir der erste Biss in die Zitterspitze... und der Übeltäter hängt! Pendelte die Ausbeute vorher noch bei 5:1 Bissen zu gefangenen Fischen, konnte ich mit der neuen Taktik mächtig aufräumen. Gute 3:2 waren das Ergebnis. So macht Winterangeln Spass!
Tipp 1
Um den Platz trotzdem unter Futter zu halten sollte das Blei alle 3-4 Würfe gegen einen Futterkorb getauscht werden. Dazu verwende ich einen möglichst kleinen Swimfeeder, sprich einen Futterkorb aus Plastik mit wenigen Löchern.
Tipp 2
Kunstköder! Gerade bei solch schwierigen Bedingungen ist es oft schwer, den richtigen Moment für den Anhieb abzupassen. Im schlimmsten Falle sind die Maden oder Pinkies ausgelutscht und liegen unbeachtet in der Gegend herum. Kleine Zuckmückenlarvenimitationen, Casterimitationen oder Madenimitationen sind dafür optimal. Sind sie zu groß für den Haken, kann man sie leicht mit einen Schere zurecht trimmen. Eine riesige Auswahl fängiger Artificials gibt es in unserem Angelalarm Shop!
Zur großen Freude meiner Freundin kann ich jetzt auch bei starkem Wind meiner Passion nachgehen. Alles eine Frage der richtigen Erziehung. In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein dickes Petri Heil und viel Erfolg im Jahr 2012!
Euer Max Seitner
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