Simon Stallabrass
Wir freuen uns euch Heute wieder einen ganz besonderen Interview-Partner vorzustellen. Es handelt sich um Simon Stallabrass den Geschäftsführer von Carphunters Magazine und gleichzeitig verantwortlichen für die Chefredaktion bei CHM. Freut euch auf ein sehr spannendes Interview mit beindruckenden Bildern…
1. Wie und wann bist du zum Angeln gekommen?
Ich bin bereits sehr früh in meinem Leben mit dem Angelsport in Kontakt gekommen. Mein Vater war Matchangler, und nahm mich bereits als Kleinkind mit zum Fischen. Wie alt ich genau war, kann ich gar nicht mehr sagen, aber ich war wohl noch im Kindergartenalter.
Damals nahm mich mein Vater immer an den Wochenenden mit an die Diemeltalsperre, oder ich fischte in den Familienurlauben auf alles was Flossen hatte.
Januar 2011 machte ich einen Kurztrip an den Ebro. Während in Deutschland alles unter einer weißen Schneedecke lag, fingen wir bereits die ersten Karpfen der Saison.
Mein Vater. Er war schon immer ein Allrounder mit Hang zum Matchangeln. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich diese Passion begonnen habe. Allerdings fischt er selber heute eher selten.
2. Was sind für dich die schönsten Momente beim Angeln?
Es ist schwer, mich da auf bestimmte Momente festzulegen. Eigentlich ist es der gesamte Lifestyle den ich an meiner Passion so liebe. Aber wenn ich jetzt den einen, oder anderen bestimmten Moment herauspicken würde, dann wäre es z.B. dieser erste, ruhige Moment, den man genießt, wenn man alles aufgebaut hat, wenn die Ruten im Wasser liegen, und man sich in seinen Stuhl setzt, und übers Wasser schaut und dabei an keinem anderen Platz der Welt zu dem Zeitpunkt lieber wäre.
Oder wenn der erste Karpfen aus einem neuen Gewässer endlich den Bann einer Durststrecke gebrochen hat, und in den Kescher gleitet…
Das sind dann auf jeden Fall ganz besondere Situationen, die auch nach Jahren noch in Erinnerungen behalten werden.
Timo und ich nehmen es manchmal nicht so ernst. Das Leben ist schon ernst genug, da kann man auch mal etwas aus sich herauskommen ;-)
Anfang November auf Gran Canaria. Manchmal ist es gut ein paar Leute mehr zu kennen. Denn dann ergeben sich auch solche spontane Möglichkeiten, wie dieser 4 tägige Kurztrip.
3. Wann beginnt deine Angelsaison, wann endet sie?
Früher habe ich immer solange gefischt, bis die Natur mir mit Einbruch des Winters und dem Gefrieren meiner Hausgewässer die Saison beendet hatte. Andererseits war ich aber auch sofort wieder aktiv, sobald es machbar war. Sprich, gab es in einem Jahr keine zugefrorenen Gewässer, fischte ich auch das Jahr durch.
Heute sieht es da etwas anders aus. Ich muss meine Angelzeit besser einteilen und planen. Periodische Redaktionsschlüsse und Drucktermine verhindern zumeist lange Urlaube. Hinzu kommen in den Wintermonaten viele Messebesuche und Auftritte. Ich bin daher dazu übergegangen, auch im Winter, wenn meine Zeit es erlaubt, Kurztrips in wärmeres Gefilde im Ausland zu unternehmen. Berufsbedingt knüpft man doch schon so einige Kontakte, die sich dann durchaus als nützlich erweisen.
Von daher, kann ich auch sagen, ich fische das ganze Jahr durch, allerdings bin ich jetzt nicht mehr der absolute, knallharte Winterangler wie früher. Meine Ansichten und Prioritäten haben sich da etwas verschoben.
Ich fing etwa 30 - 40 Scharzbarsche mal eben nebenbei ;-)
Such das Bivvy…
4. Zu welcher Jahreszeit bist du am erfolgreichsten?
Das ist bei mir ganz klar das Frühjahr bis zur Laichzeit.
Ich bin meistens nach den vielen Messebesuchen, so gegen Ende März, richtig heiß aufs Fischen. Wenn dann die Natur wieder zum Leben erwacht, und der Frühling unsere neue Saison einläutet, bin ich immer am liebsten unterwegs.
Ich habe mir dazu auch eine persönliche Frühjahrsstrategie überlegt. Und zwar beginne ich mein Frühjahrsfischen gerne in Frankreich, da es dort auch schon früher wärmer wird als bei uns. Ich fische dann dort solange, bis die Fische erste Laichanzeichen geben. Dann ist es für mich Zeit weiter nördlich zu wandern. Ich fische somit immer vor der Laichzeit. Da ich gerne in Mecklenburg fische, kann ich quasi bis dort oben im Nord-Osten der Republik die Laichzeit hinauszögern. Beginnen die Fische dann auch dort mit dem Laichspiel, kann ich getrost wieder nach Frankreich fahren, denn dann sind sie da längst fertig ;-) Somit fische ich immer in einem idealen Zeitraum.
Eine traumhafte Kulisse.
Ein neuer PB für mich mit über 30 Kilo. Und das aus einem Stausee mit über 800 Hektar.
5.Welche Gewässertypen befischst du bevorzugt?
Am liebsten befische ich große Naturseen, wie sie in Mecklenburg zu hunderten vorkommen. Ich denke, dass es gerade das Unbekannte und teilweise etwas extremere Fischen ist, was mich da besonders reizt. An einem kleinen Vereinsgewässer zu hocken, wo jeder Karpfen einen Namen hat, gibt mir nichts. Vielleicht ist es aber auch nur eine Flucht vor Angeldruck, Fischneid und unsinnigen Verboten, die mich an die riesigen Gewässer der Seenplatte ziehen, um dort noch ein kleines bisschen Karpfenanglerfreiheit zu genießen.
Das Frühjahr in Frankreich nutzte ich bis zur Laichzeit…
dann ging es weiter nördlich. Bis ich in Mecklenburg die Fische abgreifen konnte.
6. Mit welchem Gerät fischst du am liebsten?
Hmm…? Also wie gesagt, ich fische gerne an großen Naturseen über 500ha. Da braucht man schon entsprechendes Gerät. Ich bin ein guter Werfer, dennoch lege ich meine Montagen fast ausschließlich mit Hilfe eines Bootes ab. Ich fische ausschließlich mono Schnüre von 0,33 – 0,38mm und dicke 0,50 – 0,60 Fluocarbon Schlagschnüre. Ich fische sogar auf über 500 Meter Entfernungen erfolgreich mit Mono.
Da ich auch zum drillen häufig ein Boot benutze, fische ich gerne mit relativ weichen Ruten. Ich fische nun schon seit Anfang der 90iger Jahre auf Karpfen, und ich habe bis jetzt noch nie eine Rute schwerer als 2,75 LBS benötigt.
Was meine Rigs angeht, fische ich sehr einfach. Je simpler desto besser. Auch hier hat mir die Erfahrung gezeigt, dass es nicht das Rig ist, was den Fisch fängt! Ich benutze in den meisten Fällen ein einfaches NoKnot Rig mit möglichst abriebfestem Vorfachmaterial und einem 6er Haken. Das fängt überall auf der Welt ;-)
Morgenstimmung an einem großen Natursee.
Mein treuer Begleiter. An Gewässern mit 500 Hektar und mehr, sollte man entsprechend mobil sein.
7. Gibt es einen Fisch an den du dich besonders gern erinnerst?
Auch diese Frage ist nicht mit einer Aussage alleine zu beantworten. Es gibt viele Fische, an die ich mich ganz besonders gerne zurück erinnere, da sie unter besonders schwierigen, oder seltsamen Umständen gefangen wurden, oder weil sie besonders schön, oder besonders schwer waren. Ich finde, hier an dieser Stelle einen einzigen Fisch hervorzuheben ist unmöglich, da der Stellenwert der Fische zu unterschiedlich ist.
Aber wenn ich jetzt etwas länger darüber nachdenke, und ich gezwungen wäre, mich auf einen besonderen Fisch fest zu legen, dann wäre es vermutlich ein Spiegler mit 7 Pfund 200 Gramm.
Dieser Fisch war im Jahre 1990 mein einziger Fang an einem Vormittag bei einem Preisangeln meines damaligen Angelvereins. Das ich mit diesem Fisch mal wieder bei den Stippern den ersten Platz belegte, war zwar schön, aber nicht der Grund warum mir dieser Fisch so explizit in Erinnerung geblieben ist. Als ich also meinen Fang damals, nach Abpfiff des Angelns, in meinem Setzkescher zum offiziellen Wiegen brachte, überkam mich ein ganz besonderes Gefühl. Und dieses Gefühl, ist bis heute nicht abgeschwächt. Ich wollte den Fisch unbedingt, gegen die Regel und zum Erstaunen aller Beteiligten, zurücksetzen. Ganz alleine und von mir aus. Das war der erste Karpfen, den ich aus eigener Überzeugung released hatte. Ein damals in Deutschland noch nicht so weit verbreitetes Handeln, was in der Folge von mir dann aber ausschließlich praktiziert wurde.
Abriss-Montagen verhindern das Verziehen der Rigs beim Ablegen mit dem Boot, und führen zu besseren Hak-Eigenschaften gerade bei mono Schnüren auf weiten Entfernungen.
Meine Rigs. Simpel wie nix, aber effektiv.
S.o.
8. Gibt es einen Angler, der für dich ein Vorbild ist?
Vorbilder hatte ich früher… Damals, als Jungangler mit 14 oder 15 Jahren, da waren alle großen Namen aus der Szene Vorbilder.
Geprägt hat mich, und vermutlich Hunderte anderer Jugendliche natürlich das Buch „Carp Fever“ von Kevin Maddocks. Als gebürtiger Engländer hatte ich auch eine englische Originalversion mit original Autogramm. Der gute Kevin war in den 90igern damals seiner Zeit um Jahre voraus.
Heute sieht das etwas anders aus. Ich habe viele große Namen mittlerweile näher kennengelernt, ihre Artikel gelesen und korrigiert, oder mit ihnen persönlich gesprochen. Ich kann euch sagen, die kochen auch nur alle mit Wasser.
Stattdessen, gibt es aber für mich immer wieder Leute, sei es aus meinem Umfeld oder Bekanntenkreis, die mich in manchen Sachen inspirieren und mich manchmal zum Überdenken meines eingefahrenen Handelns bewegen. Und das ist gut so.
Dies ist der erste Karpfen 1990 den ich aus eigener Überzeugung wieder freigelassen habe. Ein unbeschreibliches Gefühl, und der Beginn einer Passion.
Ein Waller mit 2,33 Metern und ca. 85-90 Kilo. Ich fing diesen Fisch bei unserem ersten Ebrobesuch im Jahre 2009 mit einer 2,75 LBS Karpfenrute und einem einzelnen 18mm Boilie auf einen 6er Haken.
Es sind manchmal ganz kleine, unscheinbare Dinge, die einen Fisch zu etwas Besonderem machen.
9. Welche Erfahrungen hast du an Gewässern im Ausland gesammelt?
Oh… wo soll ich anfangen?
Also ich habe 2009 mit meinem Redakteur Timo Schneider zum ersten Mal den spanischen Rio Ebro besucht. Es war eine absolute Wahnsinnstour, mit festgefahrenen Autos, Rutenbrüchen und riesigen Welsen, über die auch ein Artikel in unserem Magazin erschienen ist. Dieser Fluss mit seinem unwirtlichen Landschaften und seinen extremen Angelansprüchen hat es mir irgendwie angetan. Mittlerweile fliege ich mehrmals im Jahr auch für Kurzsessions an den Ebro. Die enorme Fischdichte mit Karpfen über 30 Kilo, Welsen, Zandern und Schwarzbarschen, zudem ein Klima, welches ein Angeln das ganze Jahr über zulässt, gefällt mir ungemein.
Ansonsten habe ich in jüngster Vergangenheit noch Trips nach Gran Canaria und natürlich nach Frankreich zum Karpfenfischen unternommen, die meistens auch erfolgreich waren.
So konnte ich meinen neuen Personal Best letztes Frühjahr an einem riesigen französischen Stausee fangen, sowie einen meiner schönsten Fische überhaupt, einen 20 pfündigen Koi.
Aber so schön, und auch erfolgreich, so manche Auslandstouren auch sind, ich verbringe die Hauptzeit meines Fischens im nahen Osten der Republik.
Oder aber es ist nicht seine Größe, sonder seine einzigartige Zeichnung, die diesen Fang ausmacht.
Der Rio Ebro. Er hat etwas Magisches an sich, was mich immer wieder in seinen Bann zieht.
10. Was denkst du über das Angeln in Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen?
Ganz ehrlich? Ich finde es armselig. Es ist unübersichtlich, unverständlich und widersprüchlich!
Jeder Urlauber der nach Deutschland zum Fischen kommt, muss sich an den Kopf packen. Abgesehen davon, dass es keine bundesweiten einheitlichen Regelungen gibt, und jedes Bundesland da eigene Richtlinien vertritt, kommt die Fischereischein Pflicht erschwerend hinzu. Prinzipiell ist das Ok. Wir sind zwar das einzige europäische Land, wo man zum Angeln erst eine Prüfung ablegen muss, aber wer will schon Angeltourismus in Deutschland betreiben. Jetzt wäre das Ganze aber nur halb so schlimm, würden da nicht einige Bundesländer, zum Wohle ihres einzigen Gutes, nämlich des Tourismus, ein Angeln auch ohne Prüfung für einen befristeten Zeitraum freigeben. Touristenfischereischein heißt die neue Grauzone der Bürokratie, die jedem Zahlungswilligen nun ein prüfungsfreies Fischen ermöglicht. Aber wie soll den der arme Touri durch die ganzen Regeln und Verbote der einzelnen Vereine blicken? Es ist einfach nicht schön.
Und um gleich mal eine Überleitung zu Frage 11 zu haben…
11. Wie ist deine Haltung zum Thema Catch & Release?
Das Thema C&R ist auch so eine Sache.
In keinem anderen Land außer bei uns stellt es ein Problem dar. In vielen unserer direkten Nachbarländer ist ein zurücksetzten der gefangenen Fische nicht nur erwünscht, sondern sogar Pflicht. Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum es ein angelstarkes Land wie unseres, mit weit über 5,2 Millionen Fischereischeininhabern nicht in den Griff bekommt, eine Bundesweite einheitliche und akzeptable Lösung zu finden, die sich an den europäischen Standards angleicht.
Der Karren steckt im Dreck.
12. Wie wird deine anglerische Zukunft aussehen, was hören wir in Zukunft von dir?
Wenn ich das wüsste…
Also ich hoffe natürlich, dass unser Magazin auch weiterhin so erfolgreich läuft, und man mich deshalb auch noch öfter mal irgendwo sehen und was von mir lesen wird ;-) Andererseits wird mein Fischen vermutlich immer mehr von spontanen Kurzsessions geprägt sein. Sei es im Ausland oder in unserer Region. Anglerische Ziele habe ich momentan eigentlich keine genau vor Augen.
Ich habe eine sehr, sehr gute Saison 2011 hinter mir, und denke, dass dies kaum zu toppen sein wird. Von daher lasse ich die Zukunft einfach mal auf mich zukommen und wir werden sehen, wo mich mein Weg hinführt.
Es könnte so schön sein, wenn es in Deutschland auch endlich legalisiert würde.
Herbstfisch aus Mecklenburg. Dort fühle ich mich wohl.
13. Was war dein erster Eindruck von Friedfisch-angeln.de?
In meinem Job zählt häufig der erste Eindruck. Gerade bei der Auswahl von gutem Material fürs Magazin, oder die Kooperation und Korrespondenz mit Menschen.
Eure Seite war mir nicht ganz unbekannt, und ich habe auch schon früher mal hier herum geschnuppert.
Ich finde die Seite macht einen sehr professionellen Eindruck. Auch die Auswahl eurer Themen bei den Berichterstattungen etc. ist qualitativ ansprechend, informativ und unterhaltsam. Dies sind auch meine Kriterien, die ich mir für unser Magazin setzte.
Von daher klicke ich hier jetzt mal auf den imaginären „Gefällt mir“ Button.
In diesem Sinne
Euer Simon Stallabrass
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